Die Vereinsgeschichte

1.Teil: 1911 - 1945

 

Eingangs sei angemerkt, dass die vorliegenden Protokolle nicht immer vollständig waren und es deshalb für den Verantwortlichen dieses Teils, Gerhard Saliger, nicht immer möglich war, alles komplett nachzuvollziehen. 8.Juli 1911 Original Protokollauszug: "Unter dem heutigen hat sich in Streitau ein Turnverein gegründet und traten demselben 29 Mitglieder laut Unterschrift bei." Die Taufrede hielt im Oertelschen Saale der 1.Vorsitzende Friedrich Feiler. Die gleiche Anzahl Stammbacher Turnbrüder übernahmen spontan die Patenschaft. Die Gründungsmitglieder Feiler Friedrich, Benker Hans, Dressel Friedrich, Hoffmann Johann, Frankenberger Karl, Hellmuth Hans, Mattes Hans, Oertel Johann, Benker Adam, Panzer Hans, Maier Johann, Fischer Johann, Johannes Josef, Geigner Johann, Haberstumpf Hans, Förster Christian, Johannes Jakob, Renner Georg, Feiler Conrad, Opel Johann, Johannes Georg, Gareis Johann, Förster Erhard, Hellmuth Jakob, Opel Friedrich, Fraas Johann, Benker Adam, Dressel Hans, Raithel Christoph Die erste Veranstaltung, der der neu gegründete Turnverein durchführte, war ein Theaterabend. Am heiligen Abend 1911 kamen sage und schreibe 130 Zuschauer, um die Uraufführung mitzuerleben. Die Kosten überstiegen damals bei weitem die Einnahmen. Der Vereinswirt Hans Oertel sah bald ein, dass man mit provisorischen, teilweise selbst hergestellten Geräten keinen standesgemäßen Turnbetrieb aufrechterhalten kann. Oertel gab wahrscheinlich das allererste Darlehen für den Verein, das aus Guthaben von Kartschüsseln zurückgezahlt wurde. Sehr streng war man damals. Original Protokollbuch: "Wer ohne Entschuldigung in der Turnstunde fehlt, wird unbedingt mit 5 Pfennig bestraft, wer 2 oder 3 mal fehlt, muss Samstag oder Sonntag nachturnen." Im Winter 1911/12 fielen die Turnstunden wegen zu großer Kälte aus. Das nicht immer komplette Protokoll erwähnt erstmals im September 1912 "ob Fahnenweihe abgehalten werden soll". Doch da musste man sich noch ein paar Jahre gedulden. Der erste Weltkrieg offenbarte auch beim Turn- und Sportverein seine Wunden. 22 Turnbrüder waren für das Vaterland gefallen. Nach dem Krieg war es wiederum Friedrich Feiler, der den Verein anführt, um ihn wieder auf den ursprünglichen Weg zu steuern. Die Jugend von 9 - 16 Jahren hatte in der Zwischenzeit den Turnbetrieb unter seiner Aufsicht einigermaßen aufrechterhalten und diese jungen Turner füllten nun die aufgerissenen Lücken. Am 10.7.1921 feierte man das 10jährige Stiftungsfest. Und dann gab es schließlich doch noch die Fahne (Beschluss v. 2.10.1921). Erhard Panzer spendete zusammen mit noch einigen Turnbrüdern den erforderlichen Betrag und endlich konnte die Fahne angeschafft und am 2.7.1922 feierlich eingeweiht werden. In der Sitzung vom 7.1.1923 wurde erstmals erwähnt, "dass ein Turnplatz angekauft werden soll." Weiterhin wurde in dieser Sitzung beschlossen, "dass eine Sängerabteilung sowie eine Damen- und Herrenriege gegründet werden soll". In einer außerordentlichen Generalversammlung (18.3.1923) wurde eine Fußballspielabteilung ins Leben gerufen. Aber nicht nur geturnt wurde beim Turnverein. Auch das Faustballspiel wurde gepflegt und auch geherrscht. Man wurde 1936 Gaumeister in Naila. 1934 wurde die Jugend Kreismeister. Dank einer großartigen Unterstützung des Oberturnwartes Georg Benker, der Turnwarte Schrödel Hans und Jakob Benker, Adam Schuberth u. a. wurde das Turnen der Streitauer über die Grenzen der Gemeinde, ja sogar über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt. Max Zapf, damals sog. Herbergsvater, stellte das erste Sportgelände zur Verfügung, welches nach längerer Dauer käuflich erworben wurde. Es war schon damals bezeichnend, dass dies nur auf Grund von vielen freiwilligen Arbeitsstunden der Mitglieder, erheblichen Spenden und durch die Hilfeleistung der Gemeinde möglich war. Der Verein erlebte einen ersten Boom. Oberturnwart Georg Benker sprach von einer aktiven Vereinstätigkeit, die von keinem anderen Verein auch nur annähernd praktiziert wurde. In der Generalversammlung vom 4.1.1931 wurde deutlich, dass der Verein sein bisher bestes Ergebnis erreicht hatte. Unstimmigkeiten, fehlende Zusammenarbeit und gegenseitige Beschuldigungen waren 1934 wohl die Tagesordnung. So waren der Ortsgruppenleiter Opel, Kreisleiter Dietel und der stv. Kreisführer bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung anwesend um die Streitereien beizulegen. Der Zimmerstutzen-Schützenverein Streitau wurde im Jahre 1935 als Unterabteilung aufgenommen. Von dem aufgelösten Radfahrerverein erhielt der Turnverein eine Unterstützung und es wurde erstmals ein Obmann für Schießen und Kleinkalibergewehrschießen gesucht. Durch Vereinbarung des Turnrates mit dem Herbergsvater Johann Zapf kam folgendes zustande: Johann Zapf nimmt den alten Turnplatz zum Tausch gegen Überlassung einer Fläche von 110 x 70 Meter und verlangt eine Draufzahlung von rd. 700 Mark. Dieser Vorschlag bzw. Vereinbarung soll dem Gemeinderat zwecks Erlangung eines Zuschusses unterbreitet werden, zumal dieser Platz für Schule und TV geeignet wäre". Damit war eigentlich der Grundstein zur heutigen Heimat des TSV Streitau gelegt (der gewünschte Turnplatz wurde nach Flurbereinigung im Frühjahr 1936 dem Verein überlassen). Die sportlichen Höhepunkte des Vereins: Teilnahme am großen Staffellauf zum Völkerschlachtdenkmal in Leipzig (1910)!, an den Deutschen Turnfesten in München (1923), in Köln (1928), in Breslau (1938), an den Landesturnfesten in Bamberg (1926), in Regensburg (1935) und an den Feiern des TV Coburg (60-, 75-, und 100jähriges Jubiläum). Auch kulturelle Veranstaltungen wurden beim Turnverein großgeschrieben.

Dies half natürlich mit, die Vereinszugehörigkeit zu festigen und zu fördern und Fortbestand des Vereins zu gewährleisten. Dann wieder der schreckliche Krieg, der den Verein, der soeben blühend nach Höherem gestrebt hatte, schmerzlich trifft. Einige Seiten im Protokollbuch sind leer. Die letzten Aufzeichnungen sind von 1942.

2.Teil: 1946 - heute

 

Der Wiederbeginn. Zunächst suchten Verordnungen der Militärregierung eine Weiterführung des Vereins zu erschweren. Am 7.11.1946 wurde ein neuer "unbelasteter" Vorstand gewählt und der Aufschwung des Vereins begann. Der Kassenbestand betrug am 6.1.1949: DM 7,79. In einer außerordentlichen Generalversammlung v. 21.10.1951 wurde eine Schützenabteilung gegründet. 1951 wurde ferner das Wiesenfest in das 40-jährige Vereinsjubiläum integriert. Der bestehende Turnverein und der Gesangverein fusionierten sich und so entstand die "Sport- und Kulturgemeinschaft", die allerdings nur bis zum Jahre 1952 Gültigkeit hatte. Nach dem 90-Jährigen Fest des Gesangvereins ging dieser in seine Selbständigkeit zurück und der Turnverein Streitau beschloss eine Satzungsänderung in "Turn- und Sportverein Streitau e.V. 1911". Die Ehrenmitglieder beider Vereine mussten sich damals entscheiden zu welchem Verein sie sich bekennen. "Heißblütige" Spieler und Zuschauer gab es wohl seinerzeit auch schon. So erwähnte der 1.Vorsitzende in der Generalversammlung v. 6.1.1954 "Spieler und Zuschauer dringend derartige Ausschreitungen zu unterlassen". Ferner wurde damals ein Antrag von Oberturnwart Ludwig Benker gestellt, "dass es den aktiven Fußballsportlern zur Pflicht gemacht wird, die Turnstunden zu besuchen". 1957 war anscheinend wieder einmal das Jahr von Meinungsverschiedenheiten. Der Spielleiter der 1.Mannschaft trat zurück, der 1.Vorsitzende drohte den Rücktritt an und schließlich setzte man Neuwahlen an. Oberturnwart Ludwig Benker muss in seinem Jahrsbericht am 6.1.1958 "erstmals mit Bedauern feststellen, dass das Interesse am Turnsport sehr nachlässt". In einer Ausschusssitzung vom 26.1.1958 wurde der schlechte Zustand der Umkleidekabinen sowie der gesamten Sportanlage angesprochen. "Es wurde folgendes beschlossen: a) aktive Vereinsmitglieder leisten 10 Stunden, b) passive Vereinsmitglieder leisten 5 Stunden Sportplatzarbeit". Anlässlich des Sportfestes 1960 wirkte eine US-Mannschaft aus Aschaffenburg mit, die sich durch ihr vorbildliches Benehmen viel Sympathie erwarb. In der letzten ordentlichen Generalversammlung vor dem 50-jährigen Jubiläum wollte niemand die Verantwortung übernehmen. So bekamen insgesamt 10 Personen ihre Stimmen für den zu wählenden 1.Vorsitzenden, jeder lehnte jedoch ab. In der außerordentlichen Mitgliederversammlung v. 21.1.1961, übernahm dann der junge Fritz Feulner das Vereinsschiff, auf dem er lange Jahre "Kapitän" war und das ohne ihn auch heute nicht mehr denkbar ist. In zahlreichen Zusammenkünften und Sitzungen wurden die Einzelheiten für den 50. Geburtstag des Vereins besprochen. Das Jubiläum verlief gemäß der Niederschrift im Protokoll programmgemäß. Nachdem der bisherige Vereinswirt Hans Oertel aus gesundheitlichen Gründen 1961 das Lokal schloss, wurde in einer weiteren Versammlung das neue Vereinslokal Werner Förster mit eindeutiger Mehrheit gewählt. Durch die Schließung des bisherigen Vereinslokals verlor der TSV aber auch den Raum, der bisher für Turn- und Trainingsstunden, Theateraufführungen und sonstige Veranstaltungen größeren Rahmens zur Verfügung gestanden hatte. Dies sollte für den TSV schwerwiegende Folgen haben. In dieser Zeit wurde der Sportplatz endgültig käuflich erworben. Der Überschuss vom 50-jährigen Jubiläum wurde zweckdienlich angelegt. Am 19.1.1966 wurde in einer Ausschusssitzung erstmals in Erwägung gezogen "den Sportplatz in seiner ganzen Breite im Anschluss an das untere Tor um ca. 20m zu verlängern. Der Ausschuss beschloss einstimmig Verhandlungen über den Grundstücksankauf aufzunehmen". Auch auf dem Gebiet der Ortsverschönerung konnte sich der Verein durch weit über 100 freiwillig geleistete Arbeitsstunden nicht unwesentlich beteiligen. Auch die Anlage eines Parks hinter der neuen Raiffeisenbank wurde wesentlich durch TSV-Mitglieder geschaffen. Im November 1967 gab der Schulverband und der Gemeinderat Streitau endlich grünes Licht zur Benutzung eines Schulraumes für Trainingszwecke. Im Februar 1969 richtete der Verein an das Bundesbahnbetriebsamt Bayreuth ein Schreiben, indem man anstrebte, das Bahnwärterhaus mit dem dazugehörenden Grundstück nahe dem Sportplatz käuflich zu erwerben. Die Bundesbahn stellte dies aber erst nach Auszug der damaligen Bewohner in Aussicht. Ein neuer Wusch wurde im Dezember 1969 vorgetragen. Der damalige 1.Vorsitzende Kurt Wenzel wies daraufhin, dass viele Vereine unseres Fußballkreises moderne Umkleidekabinen incl. Duschen unmittelbar neben ihren Spielfeldern errichteten. Der Vereinsausschuss erkannte die Notwendigkeit solcher Baulichkeiten. Die Pläne reiften und am 13.5.1970 traf sich der gegründete Bauausschuss erstmals zu einer ausführlichen Besprechung. Verhandlungen über weitere Grundstücke führten aber noch nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Dann wurde der eingereichte Bauantrag durch das Landratsamt Münchberg endgültig abgelehnt, da die geplanten Anlagen innerhalb der festgesetzten engeren Wasserschutzzone lagen. Die Vergrößerung des Sportplatzes nahmen nach Beurkundung des Grundstückskaufs jedoch weitere Fortschritte, gleichzeitig aber auch die finanziellen Problem. So stellte Hauptkassier Helmut Panzer in der Ausschusssitzung mit größten Sorgen fest, dass die durchschnittlichen monatlich Ausgaben die Einnahmen weit übersteigen. Daraufhin wurde eine Erhöhung der Vereinsbeiträge beschlossen. Aber auch die Gemeinde Streitau unterstützte mit Zuschüssen weiterhin den größten Verein des Ortes. Im Frühjahr 1973 wurde im Keller des Vereinslokals der Duschraum gründlich renoviert, da an einen Bau von Umkleidekabinen aus den bereits erwähnten Gründen nicht gedacht werden konnte. Nach dem Ableben der Bewohner des ehemaligen Bahnwärterhauses nahe dem Sportplatz, stellte der TSV im Laufe des Jahres 1974 erneut einen Antrag auf Erwerb dieses Gebäudes. Zu einem endgültigen Kauf kam es allerdings wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen nicht. Am 16.6.1974 wurde der Grundstein zu der im Jahre 1982 abgeschlossenen Sportplatzerweiterung gelegt. Im Dezember 1974 konnte erneut ein Vorvertrag wegen Grundstücksankauf mit Herrn Hans Örtel abgeschlossen werden. Am 27.3.1976 erlebte der Verein einen schwarzen Tag. Der für alle Sparten stets ein offenes Ohr, unermüdlich engagierte und ehrgeizige Hauptkassier Helmut Panzer verunglückt tödlich. Ein Riesenverlust für den TSV. Hauptsächlich er war es gewesen, der die Erweiterung des Sportplatzes, den Bau von ordentlichen Umkleidekabinen und Duschen am Sportplatz und noch vieles anderes geplant hatte und durch seine Energie viele andere mitgerissen hatte. Durch großartige Unterstützung der Familie Robert Fick konnte im Herbst 1976 das Stromkabel für die neue Flutlichtanlage in Eigenleistung verlegt werden. Die Koste verringerten sich dadurch von ca. DM 16500 auf DM 3500. Doch die finanziellen Sorgen wuchsen. Zudem war nochmals ein Grundstücksankauf von ca. 1200 qm notwendig, um bestehende Auflagen des Landratsamtes Bayreuth zu erfüllen. Da kam das von Schriftführer Gerhard Saliger ins Leben gerufene Weißensteinpokalturnier gerade zum richtigen Zeitpunkt, um die arg strapazierte Kasse wieder etwas zu füllen. Neue Probleme hinsichtlich der Sportplatzerweiterung tauchten auf. Die Regierung machte verschiedene Auflagen, doch mit Unterstützung von MdB Richard Müller und vor allem MdL Herbert Hofmann wurde 1978 endlich die Baugenehmigung erteilt.

Aber auch die Stadt Gefrees half dem TSV in allen Belangen. Das Stadtbauamt unterstützte den Verein großartig, die Stadt Gefrees übernahm die Bürgschaft für eine erforderliche Zwischenfinanzierung, bewilligte einen Zinszuschuss und ermöglichte allen Mannschaften des TSV während der Bauzeit ihre Spiele auf den Städt. Sportplätzen in Gefrees austragen zu können. Die nun bevorstehende Sportplatzeinweihung wirft nun ihre Schatten voraus. Dr. W. Zademach will den Bayer. Rundfunk mit der Sendung "Blickpunkt Sport" wegen der ganz besonders positiven Zusammenarbeit Kirche und Sport nach Streitau einladen. Gerhard Saliger könnte die 2.Bundesligaelf vom TSV 1860 München verpflichten, was jedoch bei einem Teil des Ausschusses keinen Zuspruch findet. Das Risiko bei schlechtem Wetter keine Zuschauer und dennoch hohe Ausgaben zu haben, erscheint ihnen zu hoch. In würdigem Rahmen und bei gutem Wetter verläuft die Einweihung des Sportplatzes. Dank unwahrscheinlicher Eigenleistung und anscheinend nie versiegender Geldquellen konnte der 1.Vorsitzende Fritz Feulner freudig verkünden: "Außer dem BLSV-Darlehen in Höhe von DM 34500 hat der Verein keine Schulden." Nach Erwerb weiterer 3.270 qm und 1.846 qm (hier gebührt den Familien Oertel, Kniebe, Tröger, Fick großer Dank) wurde der Bau eines Allwetterplatzes vollzogen. Abschließend ist es uns ein aufrichtiges Bedürfnis allen Vorstandskollegen, Spartenleitern, Funktionären, Ausschussmitgliedern, Ehrenmitgliedern und Mitgliedern, sowie allen Aktiven und Schiedsrichtern, dem Vereinswirt und allen Gönnern des TSV für Ihre Arbeit recht herzlich zu danken. Unser besonderer Dank auch der Stadt Gefrees, dem Kirchenvorstand Streitau, allen Verbänden, Behörden und Ämtern, die für unsere Belange stets ein offenes Ohr hatten und uns finanziell bei der Lösung vieler Probleme unterstützen. All dies kann man heute nicht mehr als Selbstverständlichkeit betrachten und bedarf deshalb einer entsprechenden Würdigung.

 
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